Leistungbezogene Bezahlung für Lehrer

Schon seit jeher fordern die JuLis eine leistungsbezogene Bezahlung von Lehrern. Nun ist eine Studie des Kölner Instituts für Wirtschaft ebenfalls zu dem Schluss gekommen, dass sich Leistung für Lehrer lohnen muss, um Schülern eine bestmögliche Ausbildung zu garantieren. Doch wie soll man die Leistung messen?

Deutsche Lehrer überbezahlt?

Nach Daten der Wirtschaftsorganisation OECD verdiente ein deutscher Lehrer mit 15 Jahren Berufserfahrung, der in der Sekundarstufe 1 unterrichtet, im Jahr 2006 51.435 US-Dollar. Damit liegt er im weltweiten Vergleich auf dem zweiten Platz hinter seinen schweizer Kollegen und 26,4 % über dem von der OECD berechneten Durchschnittsverdienst. Grundsätzlich ist das natürlich nichts schlimmes, man könnte ja meinen, dass die Lehrer dadurch ausreichend motiviert sind, ihren Schülern den Stoff perfekt zu erklären, sodass diese ihn auch verstehen. Ruft man sich aber noch mal die Ergebnisse der PISA-Studie des selben Jahres in Erinnerung, schneidet Deutschland mit dem 13. Platz nur mittelmäßig ab (die Schweiz liegt übrigens auf Platz 16). Man sieht also, dass es bei weitem nicht damit getan ist, Lehrer gut zu bezahlen, um gute Leistungen zu erreichen. (Natürlich weiß ich, dass das schlechte Abschneiden beim PISA-Test nicht nur den Lehrern, sondern auch dem sonstigen desolaten Zustand unseres Bildungssystems geschuldet ist.)

Abschaffung des Beamtenstatus statt einheitlichem Basisgehalt

Die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft, in deren Auftrag die neue Studie angefertigt wurde, empfiehlt, ein einheitliches Grundgehalt für Lehrer aller Schulformen einzuführen, um dann die Lehrer mit Bonus-Zahlungen zu belohnen. Ein Hauptschullehrer soll also das gleiche Basisgehalt wie ein Gymnasiallehrer erhalten. Doch in diesem Punkt teile ich die Meinung der Forscher nicht ganz; denn meiner Meinung nach widersprechen sie sich mit dieser Aussage selbst ein wenig, da an die verschiedenen Lehrer ganz andere Anforderungen gestellt werden und die leistungsbezogene Bezahlung damit schon wieder in den Hintergrund gerückt wird.

Eine bessere Möglichkeit wäre es, den Beamtenstatus der Lehrer aufzugeben, so wie es Jan Filter gestern schrieb und in manchen Bundesländern (z.B. Berlin) sogar schon durchgeführt wurde. Denn wenn Lehrer nur noch Angestellt sind, können sie sich nicht mehr auf ihrem sicheren Arbeitsplatz ausruhen und müssen etwas dafür tun, zum Beispiel an Weiterbildungsmaßnahmen teilnehmen. So nahmen 2006 nur 26 Prozent der deutschen Lehrer an Fortbildungen teil, der OECD-Durchschnitt lag bei über 40 Prozent. In diesem Bereich gibt es also noch einiges an Aufholbedarf.

Evaluation von Lehrern ist der “Kasus Knacktus”

Zum Schluss stellt sich noch die, nicht unwichtige, Frage, wie man die Lehrer möglichst gerecht bewerten kann. Grundsätzlich gäbe es verschiedene Möglichkeiten, zum Beispiel Variante Nummer eins: Die Schüler bewerten ihre Lehrer (anonym) anhand eines Fragebogens, ähnlich wie es bei der Schülercommunity spickmich der Fall ist. Aber machen wir uns nichts vor – vor allem jüngere Schüler werden diejenigen Lehrer besser bewerten, die nicht so streng im Unterricht sind und wenige Hausaufgaben verteilen. Die zweite Möglichkeit wären unangekündigte Besuche von unabhängigen Gutachtern, die den Unterricht bewerten. Doch auch hier besteht die Gefahr, dass sich der Lehrer zu diesem Termin völlig anders verhält als im normalen Unterricht. Eine Alternative wären Videoaufnahmen des Unterrichts, von denen der Lehrer nichts weiß. Damit könnte man zwar wahrscheinlich die objektivsten Bewertungen durchführen, doch datenschutzrechtlich ist diese Methode sehr fragwürdig. Zuletzt könnte man auch den Notenschnitt bei Klausuren bewerten, aber auch hier wäre es nicht auszuschließen, dass die Lehrer den allgemeinen Trend, mehr gute Zensuren zu vergeben, noch stärker weiterführen würden. Damit würde man wiederum den Schülern eher schaden als helfen, da sie mit völlig falschen Vorraussetzungen in zentrale Prüfungen gehen würden.

An bayerischen und sächsischen Schulen gibt es übrigens bereits heute die Möglichkeit, in sehr geringem Umfang Prämien an Lehrer auszuschütten. Diese werden beispielsweise für besondere Unterrichtserfolge, innovative Unterrichtsmethoden, geschickte Förderung von starken und schwachen Schülern oder Zusatzstunden zur Vermeidung von Unterrichtsausfällen ausgeschüttet.

Vermutlich wird man letztendlich einen Mix aus all diesen Möglichkeiten bilden müssen, um eine objektive Bewertung der Arbeit der Lehrer erhalten zu können. Aber es ist schon mal erfreulich zu sehen, dass dieses wichtige Thema nun eine breitere Öffentlichkeit findet.

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Quellen:
- IW Köln
- RP Online
- Spiegel Online

Über Matthias

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5 Antworten auf Leistungbezogene Bezahlung für Lehrer

  1. jog sagt:

    Tut mir leid, aber Deine Argumentationen finde ich sehr holperig.

    Einfach nur das Gehalt der Lehrer über die Länder hinweg zu vergleichen, ist mE sehr populistisch. Da sollte man vielleicht auch noch einen Manager und einen Metallarbeiter daneben stellen. Wir haben in Deutschland ein generell hohes Lohnniveau.

    Dazu wäre dann auch noch mal nett zu wissen, wie viel die Lehrer in anderen Ländern zu arbeiten haben, sprich wie viel unterschiedliche Klassen, die Klassenstärken, usw usf. So kann man ja schnell mal Äpfel mit Birnen vergleichen.

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    “Denn wenn Lehrer nur noch Angestellt sind, können sie sich nicht mehr auf ihrem sicheren Arbeitsplatz ausruhen und müssen etwas dafür tun” Ne, ja klar. Sehe ich ein. Angst ist ein tolles Mittel um Leute zu motivieren. Vor allem, weil sich Lehrer ja auch alle so gegen Fortbildungsmassnahmen sträuben.

    Das kann nicht etwa etwas damit zu tun haben, dass sich Lehrkräfte heuer durch die verschiedenen Schulformen hindurch mit Klassenstärken um die 30 Kinder herumschlagen müssen. Das Geld für Fortbildungen ist eh nicht existent und wenn doch kollidiert das Fortbildungsbegehren auch gerne mal mit dem Vertretungsplan ( Stichwort Unterrichtsausfall – aber da sind vermutlich auch die faulen Lehrer dran Schuld, die einfach so immer krank werden, richtig! ).

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    Deine Überlegung die Bewertung der Lehrer mit Stasi-Methoden durchzuführen und dies dann mit einem “Leider geht das wohl nicht aus datenschutzrechtlicher Sicht” finde ich hochbedenklich. Aber zumindest lustig ( wenn auch ziemlich traurig ). Verstehe bloss nicht, warum Du dies auch nicht für alle Bankmanager vorschlägst. Wenn man so bedenkt, was die in den letzten Jahren so verzapft haben …

    Ich meine, man sollte lieber für das Geld, was man in Kontrollmassnahmen für die Bezahlung der Lehrer stecken möchte, nutzen um neue Lehrer einzustellen ( diese werden ja sowieso nicht mehr verbeamtet, also löst sich das Problem eh nach 2 weiteren Generationen ). Denn nur wenn wir mehr Lehrer einstellen, können die Klassen kleiner gehalten werden. Und das ist mE der Knackpunkt. 45 Minuten Unterricht – bei 30 Schülern, macht 1.5 Minuten pro Schüler – wenn man keinen Unterrichtspan zu berücksichtigen hat. Da hakt das System.

    Und wenn ein Lehrer den ganzen Tag zwischen solchen Schülermengen hin und her rennen muss, ausserdem noch neben dem eigentlichen Bildungsauftrag, als Sozialarbeiter und Seelsorger für Eltern und Schüler arbeiten darf, dann ist es auch meiner Sicht durchaus verständlich, dass er irgendwann die Kraft und Energie verliert.

    Und nein, ich bin kein Lehrer.

  2. Vincent sagt:

    Ich möchte hierzu anmerken, dass es auch Vorteile hat, dass (jedenfalls ein Großteil der Lehrer) verbeamtet ist, da es hier ansonsten bestimmt des Öfteren zu Streiks aufgrund der schlechten Arbeitsbedingungen kommen würde.

    Auch ist der Lehrerberuf derzeit nicht sehr attraktiv, so fehlen aktuell und in Zukunft einige Tausend Lehrer, die benötigt würden, um die Klassen auf eine angemessene Größe (15 – 20 Schüler) zu bringen. Man beachte die schlechte Ausstattung vieler Schulen, die mit privaten Unternehmen in keinster Weise vergleichbar ist.

    Und auch eine “leistungsgerechte” Belohnung ist problematisch, da der Herr Kultusminister und seine Leute ja auch nicht gerade Allwissend sind (und ja auch nicht nach Leistung bezahlt werden).

  3. @Jog: Zunächst erstmal danke für deinen ausführlichen Kommentar.

    Man kann mit Sicherheit sagen, dass es Lehrer an staatlichen Schulen nicht einfach haben, ihre Ziele so zu verwirklichen, wie sie das gerne möchten. Und wie ich schon im Beitrag geschrieben habe, sind die Lehrer auch nicht alleine an allen Problemen in unserem Bildungssystem schuld. Dass es zu wenig Lehrer gibt, dürfte allen klar sein, doch deshalb kann man ja nicht sagen, dass die eingestellten Lehrer schlechteren Unterricht machen dürfen.

    Ich habe jetzt auf die Schnelle keine Zahlen zu den Klassengrößen in anderen Ländern gefunden, werde mich aber später noch mal genauer damit befassen.

    Dass sich Lehrer auf ihrem Posten ausruhen und nichts mehr weiter tun, ist nicht nur rein auf Fortbildungen bezogen, sondern auch auf andere Faktoren, wie z.B. auf die Arbeitsmoral. Denn ein “normaler Angestellter” muss ebenfalls ordentlich arbeiten, wenn er seinen Job nicht verlieren möchte.
    Und das Angst-Prinzip ist auch nicht so weit hergeholt, schließlich müssen wir Schüler auch hart arbeiten, um nicht sitzen zu bleiben. Irgendwie muss man ja auch Druck aufbauen, oder?

    Ich habe nicht geschrieben, dass ich es bedauerlich finde, dass man Lehrer nicht per Kamera überwachen darf. Denn mir ist es ja auch nicht recht, dass wir auf öffentlichen Plätzen gefilmt werden, nur weil vielleicht mal “ein böser Terrorist” dort langlaufen könnte. Ich habe lediglich dies als eine Methode genannt, die ich aber nicht für durchführbar halte (bei unserem Überwachungsminister weiß man da ja nie so genau).
    Und warum ich so etwas nicht für Manager fordere? Einen Manager kann man meines Erachtens recht einfach an den Unternehmensergebnissen messen. Bei einem Lehrer ist das eben nicht so einfach, wie ich im Beitrag schon erläutert habe.

    Übrigens werden auch in NRW noch genügend Lehrer verbeamtet, und in anderen (meist alten) Bundesländern ist das ebenfalls noch so. Wenigstens wurde das Maximal-Alter hierzulande auf 35 Jahre gesenkt, das verkleinert zumindest die Anzahl der Seiteneinsteiger, die nur wegen der sicheren Rente noch Lehrer geworden sind.

    Und zum Schluss: Natürlich ist der Beruf des Lehrers anstrengend. Aber er darf sich dann nicht irgendwann ausruhen und nur noch ungenügend unterrichten, wenn er, salopp gesagt, keinen Bock mehr hat. Dann soll er meinetwegen die Branche wechseln und etwas anderes machen, anstatt nur die Zeit bis zur Pension abzusitzen. Denn mit den Schülern von heute legen wir das Fundament für unseren Wohlstand und Wirtschaftslage von morgen.

    Aber ich denke wir sind uns einig, dass man das deutsche Bildungssystem eigentlich komplett renovieren oder sogar neuaufbauen müsste, oder?

  4. Vincent sagt:

    “Wenigstens wurde das Maximal-Alter hierzulande auf 35 Jahre gesenkt, das verkleinert zumindest die Anzahl der Seiteneinsteiger, die nur wegen der sicheren Rente noch Lehrer geworden sind.”

    Das ist nun aber sehr populistisch – ich denke eher, dass wir von “Quereinsteigern” profitieren könnte, beispielsweise in Fächern wie Physik, weil diese in der Regel praktische Berufserfahrungen haben. Sicher, die Pension (nicht Rente !) ist ein Anreiz, doch dafür ist das Gehalt auch nicht gerade überirdisch hoch. Gerade im naturwissenschaftlichen Bereich sind auch deutlich höhere Gehälter drin.

    Außerdem möchte ich anmerken, dass ich aus vertraulicher Quelle weiß, dass es für Lehrer nur wenige Fortbildungen gibt und hier in den letzten Jahren die Mittel deutlich gekürzt wurden (jedenfalls in Niedersachsen, wird aber wohl überall so sein). Außerdem: Wieso sollen Fortbildungen in der Freizeit erfolgen?

  5. @Vincent: Ich denke, das Streikrecht ist das gute Recht eines jeden Arbeitnehmers um auf unzureichende Arbeitsbedingungen aufmerksam zu machen. Auch Lehrer sollten diese Möglichkeit haben.

    Fakt ist doch, dass die sichere Rente als Beamter nicht der Hauptanreiz sein sollte, Lehrer zu werden, oder?

    Und wieder kann ich nur sagen, dass die Lehrer nicht alleine Schuld sind. Klar, wenn keine Fortbildungen angeboten werden, kann man auch nicht an ihnen teilnehmen. Aber ich meine, die 26 Prozent der teilnehmenden Lehrer bezögen sich auf die angebotenen Fortbildungen, und damit wäre der Anteil doch ziemlich gering. Leider finde ich die Quelle nicht mehr, wo ich das gelesen habe…

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